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La Touche: Sind wir wirklich wagemutig?

Prada-Italien

Prada-Italien//Das Bild wurde mir von Beautypress.de zur Verfügung gestellt//

Kleidung ist anerkanntermaßen Ausdruck unserer Persönlichkeit. Accessoires, Haar-Styling und Make-up ergänzen den gewählten Look und tragen zu einem stimmigen Bild bei. Bei all der Street Style-Fotografie, die uns die Fashion Weeks bescherten, fiel auf, dass der provokative Farb – Stil- und Mustermix schon längst ein elementarer Bestandteil der heutigen Selbstdarstellung ist.

Im normalen Leben ist derzeit wieder der winterlich-legere, leicht provozierende, androgyne Grunge Look angesagt sowie ein rockiger Chic mit viel Leder und Reminiszenzen an vergangene Jahrzehnte. Doch welche Trends spiegeln sich in subtileren Stilmitteln wider? Das Parfüm ebenfalls ein Ausdruck der Persönlichkeit ist wird niemand bestreiten, nur ist jener nicht visuell erfass- und transportierbar, sondern erst bei echten Begegnungen sinnlich erfahrbar.

Heute beschäftigt mich eine der Fragen, die zuerst oberflächlich erscheinen, die in Wirklichkeit aber so viel mehr über Schönheitsprodukte und ihre Träger aussagt, als man zuerst denken mag. Victoria von Boisdejasmin.com fragt ihre Leser heute, welches Parfüm sie zu einer wichtigen romantischen Verabredung auflegen würden. Da die Kleidung und das restliche Styling bei einem entsprechenden Verlauf des Dates womöglich abgelegt werden, sagt die Parfümwahl sehr viel über die Trägerin aus: Möchte sie gefallen, spielt sie mit Klischees, oder möchte sie wie in der jetzigen Mode mit außergewöhnlichen Mixen auftrumpfen und provozieren?

Die Leserschaft des Blogs antwortet recht einheitlich und nennt fast einstimmig romantisch-florale Parfüms von leicht bis mittel-schwer, die sich alle im Luxuspreissegment bewegen. In den 60 Kommentaren wird zwar ordentlich mit Nischenmarken angegeben, jedoch verwendet keine der genannten Kompositionen Parfümbausteine, die gefährlich werden könnten und unerwünschte Assoziationen wecken. Außergewöhnliche, provokante, androgyne Parfüms, die mit Lavendel, Bergamotte, Minze, und metallischen Noten arbeiten oder schwere, die Begierde weckenden orientalische Düfte oder jene mit fettig-wirkenden animalischen Aldehyden werden nicht genannt. Heißt das nun, dass man mit Unisex-Düften, orientalischen oder fettigen Aldehyd-Parfüms das männliche Geschlecht weniger gut bezierzen kann? Und was sagt dies über Frauen aus?

Die Verleihungen der nationalen und internationalen Duftpreise bestätigen die Ergebnisse der Blog-Beobachtung. Immer wieder gewinnen Parfüms bei denen floral- feminine Duftnoten dominieren die Publikumspreise. So gewannen 2012 beispielsweise die floral-fruchtigen Parfüms Eve von Jil Sanders und Bruno Bananis Made for Women in Deutschland und das romantisch-floral-fruchtige Victoria’s Secret Bombshell in Amerika. Im Prestigebereich zeichneten die Experten dieses Jahr die luxuriös-floralen Parfüms von Bottega Venetas, das die floralen Noten von Veilchen mit hauchzarten Ledernuancen verfeinert, Elie Saabs Le Parfum, ein mittel-schwereres florales Parfüm sowie Guccis Guilty, welches ebenfalls etwas schwerer ist, als Gewinner aus.

Obwohl wir in der Mode auf Androgynität und Rebellion setzen, bevorzugen wir zarte, romantische, dem Klischee entsprechende Düfte – Weder zu sexy, noch zu androgyn, sondern, wie die Amerikaner es nennen Sexy Clean. Ob dies nun selbst auferlegt es und es einer echten Tugendhaftigkeit bei all dem Gerede und zur Schaustellung von Intimitäten zollt, oder ob es ein Ausdruck von authentischer Angepasstheit, die normalerweise unter Pradas Mustermix-Anzügen verborgen bleibt, ist kann ich nicht beantworten. Was mich an dieser Stelle wirklich interessieren würde ist, welches Date-Parfüm The Man Repeller trägt? Meines ist Tom Fords Violet Blonde, welches typisch romantisch-floral ist und mit pudrigen, Wildleder-Noten überzeugt und nicht etwa meine geliebten Hermes-Unisex-Parfüms.

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